Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Sachsen e.V.

Riskant: Gefährliche Pillencocktails

überregional 10.11.2017


Dresden, 10. November 2017 - Fast jeder dritte Versicherte der BARMER in Sachsen (28 Prozent) bekommt fünf oder mehr Arzneimittel pro Jahr verordnet. Zu diesem Ergebnis kam der aktuelle BARMER Arzneimittelreport 2017. Bereits ab fünf Medikamenten sprechen Experten von Polypharmazie. „Die Verordnung einer größeren Anzahl von Medikamenten bedeutet ein erhöhtes Risiko für unerwünschte Wechselwirkungen.

Fotoquelle: BARMER
Fotoquelle: BARMER

Diese sind laut Aktionsbündnis Patientensicherheit für fünf Prozent aller Einweisungen in Krankenhäuser verantwortlich“, erklärt Dr. Fabian Magerl, Landesgeschäftsführer der BARMER in Sachsen. Bei etwa zwei Prozent dieser Patienten verlaufen die sogenannten unerwünschten Arzneimittelwirkungen sogar tödlich.

Medikationsplan als Orientierungshilfe
Vor allem ältere Menschen mit mehreren Erkrankungen müssen häufig verschiedene Tabletten parallel einnehmen. Patienten, die gleichzeitig mindestens drei verordnete Medikamente einnehmen beziehungsweise anwenden, haben seit Oktober 2016 Anspruch auf einen für sie verständlichen Medikationsplan. Ausgestellt wird er vom Haus- oder behandelnden Facharzt. „Betroffene Patienten sollten regelmäßig ihre Medikation durch einen koordinierenden Arzt überprüfen lassen“, rät Magerl.

Riskante Medikamente
Unter den genannten 28 Prozent Versicherten mit fünf und mehr Medikamenten haben im vergangenen Jahr 8,3 Prozent sogar zehn und mehr Medikamente erhalten. Besonders kritisch sind dabei Medikamente, die für ältere Patienten mehr Risiken als Vorteile mit sich bringen. Medizinische Fachverbände haben diese Arzneimittel im Jahr 2010 auf der Priscus-Liste veröffentlicht. Patienten ab 65 Jahre sollten diese Medikamente nach Rücksprache mit dem Arzt möglichst vermeiden. Die Veröffentlichung der Liste hat in Sachsen offenbar Wirkung gezeigt – der Anteil der 65-Jährigen in Sachsen mit einer Verordnung von der Priscus-Liste ist seit 2010 deutlich gesunken, von 26,2 Prozent auf nur noch 22,3 Prozent im vergangenen Jahr. „Die Ärzte in Sachsen nehmen die Empfehlung der Liste ernst und gehen sorgsamer bei der Verschreibung von Medikamenten um, die für ältere Patienten ein zusätzliches Risiko bedeuten“, drückt Magerl seine Wertschätzung aus.

Mehr Informationen zum Medikationsplan und wer diesen führt unter: https://magazin.barmer.de/medikationsplan/


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